Ich ziehe um

Mein Blog zieht auf meinen neuen Server (ich habe zu einem Provider gewechselt, dessen Server mit Ökostrom laufen):

www.gerbi.ch/katia_weibel

Es funktioniert noch nicht ganz alles, wie es sollte, ein paar Bilder sind beim Umzug verloren gegangen, die Reparaturarbeiten sind im Gange.

 

Unter Lemmingen (TEDx Zurich 2013)

Letzten Mittwoch war ich an der TEDx-Konferenz in Zürich. Die TED- und TEDx-Konferenzen sind Veranstaltungen mit Kurzvorträgen zu unterschiedlichsten Themen, unter dem Motto “ideas worth spreading”. Die Ursprünge gehen bis in die 80er Jahre zurück, TED war ursprünglich eine sehr exklusive Sache, aber seit 2006 gibt es eine Website mit Aufnahmen der speeches an den TED-Konferenzen, und seit 2009 Lizenz-Ausgaben im TED-Format (max. 18 Minuten, alles wird gefilmt und online gestellt).
Ich sehe mir seit ein paar Jahren schon regelmässig TED-Talks im Web an. Ich finde sie meistens anregend, oft unterhaltsam. So dachte ich mir, wenn es schon in Zürich eine TEDx gibt, möchte ich mal teilnehmen. Auch wenn mir der Anmeldeprozess gar nicht passt – ich finde es nicht nachvollziehbar, dass man sich um einen Platz im Publikum (600 Plätze!) bewerben muss, wenn doch gar nicht vorgesehen ist, dass sich das Publikum an der Diskussion beteiligt. Aber es gibt dem Ganzen einen exlusiven, leicht elitären Touch.
Der Tag war toll, klar. Die Organisation 1A, der Ort interessant (Studio 1 von SRF), das Catering hervorragend, die Pausengespräche anregend. Es war ein Tag wellness fürs Hirn. Ob es mir inhaltlich viel gebracht hat, wage ich zu bezweifeln – es hat einfach gut getan, Leuten zuzuhören, die ähnlich “ticken” wie ich, aber neue Anregungen, Ideen, auf die ich selber jetzt noch nicht gekommen wäre, gab es eigentlich nicht.
Das hat wohl hautpsächlich den Grund, dass die 17 (!) Vorträge überhaupt nicht thematisch gebündelt waren. So standen sie nebeneinander, die Ideen traten nicht in Bezug zueinander. Die Pausengespräche drehten sich denn auch nicht um die Vorträge, sondern um andere Themen.

Was mir blieb, waren ein paar Erkenntnisse auf der Meta-Ebene.
- Das Publikum ist erstaunlich unkritisch. TED muss einfach gut sein, das steht irgendwie zu Beginn schon fest. Aber nicht alle speeches waren gut, ein paar waren hervorragend, einige durchschnittlich, einige aber auch wirklich nicht gut – weder spannend vom Inhalt her, noch gut gemacht. Ich finde das nicht schlim – 17 Mal mindblowing hätte ich nicht verarbeiten können. Aber dass kein kritisches Wort, nur kollektives Frohlocken und Lobpreisen zu hören ist, irritiert mich sehr – wie wenn TED eine Religion wäre und kritische Äusserungen Blasphlemie?
- Es ist schwierig, nicht auf den Bildschirm zu schauen, auf dem der Life-Referent zu sehen ist – meistens sah ich die Referenten auf dem screen und gar nicht in echt. Obwohl meine Sicht auf die Bühne hervorragend gewesen wäre.
- Twitter müsste dringend eine Zeitsperre haben. Wenn die Leute immer sofort twittern, was sie als spannende Aussage anspringt, werden sie zu Aphorismen- und ZitatesammlerInnen. Die Qualität der Tweets entspricht Kalenderspruchplattitüden. Eine Reflexionspflicht wäre qualitätsfördernd.
- Zeige den Leuten ein Bild einer Plüschausgabe des Higgs Bosons, und sie interessieren sich mehr dafür, wo sie so eins herbekommen als für den Vortrag.
- Söhne im Teenageralter können es nicht fassen, wenn man sagt, man habe einen Vortrag von Ian Livingstone gehört (das ist der “Ziehvater von Lara Croft”). Und sind für einmal neidisch auf ihre Mutter :-) .
- Die grösste Relevanz für meinen Alltag hatte wohl der Vortrag von Judith Simon zum Thema “who is responsible if things do things”. Sie gab uns “Hausaufgaben” – uns zu überlegen, wo wir welche Spuren hinterlassen, und gegebenenfalls etwas dagegen zu tun. Ghostery und trackmenot sind z.B. tools dafür.
Alles in Allem: TED-talks werde ich weiterhin anschauen, viele, ganz sicher. Aber nochmal an eine TEDx? Eher nicht. Ausser, ich treffe auf eine, die thematisch eingegrenzt angelegt ist.

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Unter Pfahlbauern

pfahlAm Sonntag war ich im Pfahlbauten-Museum in Uhldingen am Bodensee. Das Museum ist schon alt, es entstand 1922. Die historisch nicht präzisen Teile stehen immer noch, eingebettet in Erklärungen, im Sinne eines Museums im Museum. Im ältesten Haus wird jetzt eine Maus-Sachgeschichte gezeigt, die den Nachbau eines Pfahlbaus mit historischen Werkzeugen begleitet hat. Die Maus. Da kann Wikipedia einpacken.
Das Konzept des Museums beinhaltet, dass man nur mit Führung hineinkommt. Anschliessend kann man sich frei bewegen, aber zuerst gibt es eine obligatorische Führung. Das passt nicht allen, erstaunlicherweise gibt es Leute, die der Meinung sind, sie hätten ein Recht darauf, das Museum ohne Führung zu besuchen. Weil sie ja bezahlen. Und die es dann unfreundlichen finden, wenn sie erst reingelassen werden, wenn die Gruppe komplett ist.
Am Anfang steht eine dreiteilige mulitmediale Einführung, die etwa 10 Minuten dauert. Diese nimmt einen mit auf einen Tauchgang mit zwei ArchäologInnen und erklärt die wesentlichen Punkte der Arbeit an der Rekonstruktion des Lebens der Pfahlbaukulturen und die wesentlichen Erkenntnisse, die wir heute darüber haben. Die Führung geht durch drei gestaltete Räume, und insbesondere der mittlere ist einfach wunderschön gemacht. Mit Film- und Fotoprojektionenen auf Milch(plexi)glaswänden und -decke, mit ausgeklügelter Lichtregie und bedrucktem Teppichboden und sorgfältiger Geräusch- und Tonspur hat man den EIndruck, auf dem Seegrund zu stehen (sogar haptisch  - der Teppich ist moosig-algig-weich) und die Taucher von unten bei der Arbeit zu beobachen.
Die anschliessende Führung hat mich aber am meisten beeidruckt. Der Führer hat nicht einfach erklärt, sondern mit viel Leidenschaft eine Geschichte erklärt. Die Geschichte, wie sich in der Bronzezeit die Menschen entwickelt haben. Wie aus Innovationen heraus neue Entwicklungen notwendig wurden. Eine Geschichte von Wandel und Anpassung. Warum war diese Führung so packend, was zeichnet sie aus? Ein paar Elemente glaube ich benennen zu können:
  • Es war eine Geschichte. Er hat nicht Gegenstände oder eine Situation beschrieben, sondern seine Ausführungen hatten eine Richtung und immer eine “Pointe”, das heisst, sie führten immer zu etwas hin. Und dieses Ziel hat er eingeordnet und einen Bezug zu den Zuhörenden hergestellt (Kalorienverbrauch eine Steinzeit-Tagwerks entspricht einer Tour-de-France-Etappe).
  • Es war persönlich. Sein eigenes Skript, und er hat persönliche Erfahrungen eingeflochten (Fuchsfleisch stinkt schrecklicher als jene Gerberei in Marokko, wo sie einem Pfefferminzblätter zum in die Nase stopfen geben, bevor man sie besichtigen geht)
  • Er nahm Bezug auf die Anwesenden und bezog sie mit ein (ein vegetarisches Mädchen, das die Nase rümpfte bei der Erzählung über die Essgewohnheiten, sprach er später nochmal darauf an – aber nur einmal! Er hat sie nicht zu seinem Opfer gemacht, nur gezeigt, dass er das Publikum wahrnimmt).
Eine gute Führung erzählt eine Geschichte mit Spannungsbogen und Pointe, sie ordnet ein, beantwortet die W-Fragen (Wer-Wo-Was-Wann-Wie-Warum), nimmt Bezug auf die Zuhörenden, und die erzählende Person ist persönlich spürbar, authentisch.

Rückenwind

Wir haben ein Faltboot (Kajak), zu dem es auch ein Segel gibt. Das Kajak hat kein Schwert, also kann man nicht kreuzen, sondern nur mit dem Wind segeln. Nach vier Jahren im Besitz des Segels klappte es dieses Wochenende endlich mit dem Wind: Er kam in der richtigen Stärke aus der richtigen Richtung, und trug uns längs über den ganzen Walensee von Weesen bis Walenstadt.

In Walenstadt wurde der Ausflug gekrönt von einer wunderbaren Windwetter-Abendstimmung.

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Kartoffelexperiment – Das Finale

Diesen Mai habe ich eine Kartoffel vergraben – eine, die eigentlich kompostreif gewesen wäre. Heute habe ich sie wieder ausgegraben. Nun sieht sie sie so aus:

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Ausserdem habe ich aber noch Folgendes in dem Kartoffelexperimentsack gefunden:

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Das macht Spass! Ich glaube, das mache ich nächstes Jahr wieder.

Zurück aus Wales

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Diesen Sommer zog es uns nach Wales. Ein paar Duzend Meilen westlich von Cardiff in einem kleinen Ort in einer ehemaligen Kapelle wohnten wir, und machten Ausflüge in alle Richtungen. Wir Umweltbewussten reisten natürlich nicht im Flugzeug an, sondern mit Zug und Fähre (Näfels – Zürich – Paris -Le Havre – Portsmouth – Cardiff – Kidwelly. Insgesamt jeweils eineinhalb Tage und eine Nacht).

Das Reiseziel ausgewählt hatten wir, weil wir alle grosse Fans der BBC-Sience-Fiction-Serie “Doctor Who” sind, die dieses Jahr ihr 50jähriges Bestehen feiert. Die Serie wird in Cardiff gedreht, wir wollten die Schauplätze sehen, und in Cardiff steht auch ein Doctor-Who-Museum, und das haben wir natürlich besucht.

Südwales ist geprägt von Industriegeschichte. Kohle-Abbau und Metallverarbeitung prägten die Landschaft. Es heisst, die industrielle Revolution habe in Europa in Südwales begonnen. Das ist allerdings Geschichte – in den Neunzigerjahren wurden die in den Achzigern von Ms Thatcher wieder privatisierten Kohleminen geschlossen. Das steckt den Leuten immer noch in den Knochen (Ms Thatchers Tod wurde hier gefeiert). Die Täler wurden dank immenser Anstrengungen wieder grün, es gibt nur noch drei Kohleminen in Betrieb und eine der grösseren ist inzwischen ein nationales Kohle-Bergbau-Museum (the big pit).

2013_BigPit

 

Wales ist nicht weit von England entfernt, und trotz aller Unterschiede – die Sprache! man isst hier zum Tee die Scones nicht mit Schlagrahm, sondern mit Butter! – gibt es auch viel Gemeinsames. Zum Beispiel schöne Gärten. Der National Botanic Garden trumpft mit dem grössten freistehenden Glasdach Europas vom Stararchitekten Norman Foster auf.

2013_National Botanic Garden

Heute strebt Wales nicht die Unabhängigkeit von Grossbritannien an (im Unterschied zu den Schotten). Das war aber nicht immer so: Als Britannien unter Normannischer Herrschaft war, kostete es sie einige Anstrengung die Macht zu behalten. Zeuge davon sind die unzählbaren Burgruinen – diese Burgen dienten nicht der Verteidigung gegen aussen, sondern der Machterhaltung gegen innen. Hier der Turm von Kidwelly Castle, nur wenige Meilen von unserer Ferienwohnung entfernt. Diese Burg diente als Kulisse für den Monty Phyton Film “the holy grail”.

2013_KidwellyCastle

Seit langem wieder einmal hatte ich eine “Lismete” dabei in den Ferien, zwei Putzlappen in den walisischen Landesfarben entstanden dort. Die walisische Flagge zeigt einen roten Drachen auf grün-weissem Grund (grünes Land, weisser (!) Himmel). Der rote Drache ist Wales, der gemäss der Prophezeiung Merlins eines Tages einmal gegen den weissen Drachen (aka England) siegen wird.

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Erbsen! Eigene Erbsen!

 

Ich bin ganz aufgeregt! Letzte Woche noch dachte ich, den Schnecken ist ganz und gar alles zum Opfer gefallen – und heute entdecke ich, dass mein Erbsenexperiment Früchte, oder vielmehr Gemüse getragen hat. Faszinierend, dass aus einer kleinen Erbse eine ganze Pflanze geworden ist mit vielen Erbsenschoten dran.

Hoffentlich denke ich Gartenlegasthenikerin daran, in ein oder zwei Wochen auch zu ernten…

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Nach dem grossen Regen

Gäsi (am Walensee)

Gäsi (am Walensee)

Auf der Bergstrasse

Auf der Bergstrasse

 

Die Rauti fliesst auf unser Haus zu (und daran vorbei).

Die Rauti fliesst auf unser Haus zu (und daran vorbei).

2013_06_Tränki

Am Haslensee

Am Haslensee

 

Gumel, Häpere, Härdöpfl

Ja, Frau Gugus; von den leicht zu ziehenden Kartoffeln hörte ich auch sagen. Aber statt ein veritables Kartoffelfeld anzulegen, begnüge ich mich mit einem kleinen Experiment. Die Zutaten:

  • Eine alte, verschrumpelte, austreibende Kartoffel aus dem Küchenschaft
  • Ein Sack voll alter Erde (weggeräumt vom Wegrand)
  • Ein paar Wochen Geduld

Wenn Sabine Reber recht hat, können wir in drei Monaten den Sack ausleeren und ganz viele Kartoffeln ernten. Nach zwei Wochen sieht der Sack bereits so aus:

gumlsagg

Mein Garten und ich – oder Gärtnern ist das neue Stricken

So klein muss ein Garten sein, damit ich mit der Pflege nicht überfordert bin:

Minigarten

Ich hab’s nicht so mit dem Gärtnern. Oder doch, eigentlich schon:  Seit ich denken kann, versuche ich mich aber immer wieder dran – und dann vergesse ich zu jäten, die Sachen werden von Schnecken und Blattläusen aufgefressen, die Plänzchen vertrocknen oder werden, typisch für die Küchenkräuter, schlicht vergessen. Mein Grossvater, ein Künstler von einem Landschaftsgärtner, der eine grosse Gärtnerei aufgebaut hat, hätte keine grosse Freude an mir… Aber vermutlich ist es die Erinnerung an die zahlreichen Sommerferien bei den Grosseltern, als ich meine erstes eigenes Geld mit kleinen Hilfsarbeiten in der Gärtnerei verdienen konnte, die mich Jahr für Jahr dazu bringen, es wieder zu versuchen.

Dabei hätte ich, anders als all die armen hippen StadtgärtnerInnen, sogar eine ganze Are richtigen, eigenen Boden zur Verfügung. Ich muss also nicht auf die tollen Vorschläge des WWF zurückgreifen, der im Rahmen des diesjährigen Glücksexperiments Garten-Ideen für Menschen ohne Garten zusammengestellt hat.

In den letzten Jahren habe ich recht erfolgreich die Strategie verfolgt, einen selbstpflegenden Garten anzulegen. Mit Sträuchern, die sogar ein bisschen etwas Essbares produzieren: Felsenbirnen, Apfelbeere, Maulbeere, Zwergzwetschge, Holder. Und einen Pfirsichbaum. Dieses Jahr kamen noch eine Schlehe, eine Zwergkirsche und ein paar Johannisbeerstauden dazu. Drei Mal im Jahr grosszügig jäten, einmal mit der Sense druchs Gras, und gut ist.

Gärtnern macht aber glücklich, heisst es jetzt überall. Mit den Händen im Dreck kommt man wohl irgendwie seinen Wurzeln näher, oder so ähnlich. Vermutlich hat es auch ähnlich günstige Auswirkungen auf den Blutdruck und den Cortisolspiegel wie Yoga. Jedenfalls ist es zur Zeit extrem in Mode. Nun halt, ich lasse mich ein kleines bisschen anstecken und mache den Trend ein kleines bisschen mit, gedenke meines Grossvaters und habe neben den Sträuchern auch wieder Kräuter angepflanzt, und Blumen gesetzt, und versuche mich sogar wieder einmal an Gemüse. Meine Erbsenstecklinge in WC-Papier-Rölleli, nach Methode Sabine Reber (die Tutorin der Stunde aller Neo-Glückssuche-GärtnerInnen), gedeihen jedenfalls prächtig und sind in ein paar Tagen reif für den Boden.

erbsenstecklinge

Für mehr Inspiration: Sabine Reber bei Aeschbacher.

Und zum Schluss noch ein Lied: “Eigene Paradeiser” von Iwan dem Dreckigen.